Glasbläser besucht Inselschule

Glasbläser besucht Inselschule – Schüler machen eigenen Glasschmuck (20.11.2012)

(mps). Die Kinderaugen wurden immer größer und ein erstauntes ‚wow‘ erfüllte den Gemeindesaal im Untergeschoss der Inselhalle, als Wolfgang Greiner den Kindern der Inselschule zeigte, wie scheinbar mühelos aus einem Glaskolben eine ebenmäßige Kugel geblasen wird. Der Förderverein Inselschule Zizishausen e.V. (FIZ) hatte den Rentner aus Großbettlingen am 20. November 2012 an die Schule eingeladen. Bevor jedes der Kinder seine eigene Weihnachtskugel blasen durfte, gab er ihnen einen kleinen Einblick in die hohe Kunst des Glasbläser-Handwerks, das er vor 56 Jahren in Lauscha im südlichen Thüringer Wald von der Pieke auf gelernt hatte. Nach drei Jahren als Glasbläser zog es ihn beruflich in andere Bereiche und erst in den 1990er-Jahren begann er wieder mit Glas zu arbeiten. Als er in Rente ging befand seine Frau, er brauche eine sinnvolle Beschäftigung und seither entstehen wieder Weihnachtsschmuck, Figuren und andere filigrane Kunstwerke unter seinen Händen. Vor allem über Weihnachtsmärkte und das Internet vertreibt er seine Erzeugnisse, von denen einige bis nach Neuseeland verschickt wurden.

Im Gegensatz zum Glasmacher, der aus Scherben, Quarzsand, Kalk, Soda und Pottasche im Schamottofen über Nacht bei rund 1.550 Grad Celsius das Rohmaterial ‚Glas‘ erst herstellt, widmet sich der Glasbläser der Herstellung kleiner zerbrechlicher Kostbarkeiten aus zum Teil hauchdünnen Glasschichten. Dass es damals, vor 120 Jahren, funktioniert haben soll, Glas kunstvoll zu formen, als die Glasbläser noch vor der technischen Nutzung von Gas mittels Öllampen das Glas aus die richtige Temperatur bringen mussten, konnte man sich kaum vorstellen, als Wolfgang Greiner mit Hilfe eines modernen Tischbrenners unscheinbare Klarglaskolben fast mühelos zum Schmelzen brachte. „Wie Kaugummi wird das dann,“ sagte der Rentner, bevor er mit ein paar gezielten Handgriffen und gefühlvollem, richtig dosierten Pusten aus dem Kolben in einer über 100 Jahre alten Porzellanform ein Herz für den Weihnachtsbaum machte. Auch ein gedrehter Eiszapfen entstand unter Greiners fachkundigen Händen, quasi ganz nebenbei, während er den Schülerinnen und Schülern erklärte, wie Glas geformt wird. Einfach betrachtet wird das Glas in der Gasflamme erhitzt. Die in den Kolben geblasene Luft erhitzt sich schlagartig, dehnt sich aus und möchte nach oben steigen – weshalb der Kolben sowohl während des Erhitzens, als auch während des Blasens ständig gedreht werden muss. Der Grat zwischen einer gleichmäßigen Kugel und klassischem Bruch ist dabei im wahrsten Wortsinne hauchdünn - Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung sind gefragt. Dass Wolfgang Greiner beides besitzt, zeigte sich, als er zum Abschluss seiner Ausführungen einen kleinen Flaschenteufel anfertigte. Das hierbei eingesetzte bunte Glas bezieht er – wie fast alle seine Rohmaterialien – aus Lauscha, seiner früheren Heimat, wo es noch von Hand zu Kolben gezogen wird. In kleinen Gruppen durfte jeder Schüler unter der Mithilfe von Wolfgang Greiner seine eigene Weihnachtskugel blasen. Der versierte Glasbläser übernahm das richtige Drehen zur rechten Zeit, und selbst wenn einmal zu stürmisch gepustet wurde, so gab es einen weiteren Versuch. „Ein Kollege heute Morgen pustete viel zu ruckelig, der brauchte drei Anläufe,“ so Wolfgang Greiner. Unregelmäßiges Blasen führt dazu, dass die Glasdecke der Kugel ebenfalls ungleichmäßig wird – und damit nicht lange stabil bleibt. Oder, und das ist die andere Möglichkeit, die Kugel wird nicht rund, sondern ein zerknautschtes Etwas. Schließlich hatten jedoch alle ein perfektes Ergebnis erzielt. Greiners Frau Thora veredelte die leicht abgekühlten Kugeln noch in einem Bad aus Eislack, und so konnten die Schülerinnen und Schüler der Inselschule nach ein paar Tagen stolz ihren ganz eigenen Weihnachtsschmuck in einem eigens dafür gebastelten und gut ausgepolsterten Schächtelchen nach Hause tragen.

(Redaktion: FIZ   fiz@inselschule-zizishausen.de)